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Mein Name ist Thomas und ich bin Kaffeejunkie. Vermutlich übrigens nicht der einzige in der Backgammon Szene. Überhaupt scheint Kaffee – traut man den Zahlen des Deutschen Kaffeebundes – in unseren Landen ein beliebtes Gesöff zu sein. |
Aktuell mein Favorit: Sant’Angelo solo robusta. Männerkaffee. Enthält ungefähr dreimal so viel Koffein wie der ach so aromatische Arabica. Welcher Backgammon Spieler braucht schon Aroma? Also etwas präziser: Mein Name ist Thomas und ich bin Koffeinjunkie.
Koffein steht zwar seit 2004 nicht mehr auf der Liste verbotener Substanzen der World Anti-Doping Agency, dennoch ist die leistungssteigernde und belebende Wirkung des Koffeins unbestritten. Also einfach unbegrenzt reinschütten?
Ich hoffe der ein oder andere (vielleicht diejenigen, die kürzlich Kaffee getrunken haben) vermutet bereits, dass hier kein spieltheoretischer Höhenflug folgt. Es wird um Kaffee gehen. Und um Performance halten. Und um so unbeliebte Konzepte wie Match Winning Chances. Und was das alles miteinander zu tun hat.
Im Studio begrüße ich Uli Koch, der vielleicht als spiritueller Übervater des Ausdauerbackgammons gelten darf. Uli (Backgammon Vizeweltmeister von 1984) empfiehlt als beste Trainingsmethode: „70 Stunden ohne Pause spielen.“ Ziel der Aktion wird sein, sich daran zu gewöhnen, dass weiße Hasen übers Spielfeld hoppeln. Oder – anders formuliert – sich anzutrainieren, trotz Müdigkeit noch bestes Backgammon zu geben.
Müdigkeit ist ein Problem im Backgammon. Oder nennen wir es Mangel an Konzentration. Bei großen Turnieren kann sich ein Match schon mal über einen halben Tag erstrecken. Da bis zum Ende topkonzentriert zu bleiben, erfordert eine gute körperliche Fitness (Uli hat Sport studiert!), eine gute Einteilung der Energiereserven (Pausen!), Training und … Koffein.
Die Situation wird noch verschlimmert durch eine Tatsache, die sich viele Turnierspieler gar nicht bewusst machen: Fehler, die ihnen gegen Ende eines langen Matches unterlaufen, wirken sich viel gravierender auf ihre Gewinnchancen aus, als Fehler in den ersten Partien. Nehmen wir an, Schwarz übersieht die Möglichkeit, nachdem der Gegner mit 2-1: 24/23 13/11 eröffnet hat, mit seiner 6-4 auf dem 14-Punkt zu schlagen:
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Spielstand: 0:0 auf 25
| # | Zug | MWC | |
|---|---|---|---|
| 1 | 24/14* | 50,49% | |
| • | 2 | 8/2* 6/2 | 50,10% ( -0,39%) |
| 3 | 24/18 13/9 | 49,67% ( -0,82%) | |
Am Anfang eines 25-Punkte Matches kostet das lächerliche 0,4% MWC. Bei Double Match Point sind es schon haaresträubende 4,3%, also mehr als das Zehnfache!
Spielstand: 24:24 auf 25
| # | Zug | MWC | |
|---|---|---|---|
| 1 | 24/14* | 54,33% | |
| • | 2 | 8/2* 6/2 | 50,01% ( -4,32%) |
| 3 | 24/18 13/9 | 47,41% ( -6,92%) | |
Na, sollten Sie nun den Kaffee lieber am Anfang oder am Ende trinken? Aber zu unserem zweiten Studiogast: Lars Trabolt. Die Analyse seines Finalmatches der Weltmeisterschaft von 2009 gegen Mochy zeigt, dass die Equityverluste in der zweiten Hälfte des Matches deutlich höher waren:

Auswirkung von Fehlern auf die Matchequity hoch, Performance runter. Spätestens bei DMP geht das Licht aus. Also richtig Dopen:
Koffein führt man dem Körper am besten stetig in kleinen Dosierungen zu. Bei Kaffee stellt sich die Wirkung etwa deißig Minuten nach Konsum ein. Es empfiehlt sich also eine halbe Stunde vor Matchbeginn die erste (halbe?) Tasse Kaffee zu trinken. Wer schwarzen Tee bevorzugt, sollte noch eher beginnen, da hier die Wirkung erst verzögert eintritt.
Die letale Dosis von Koffein liegt bei ca. 10g. Das entspricht etwa 100 Tassen Kaffee. Von einer Überdosis (mit ensprechend negativen Begleiterscheinungen) spricht man ab ca. 1g Koffein, also etwa 10 Tassen. Diese 10 Tassen gilt es sinnvoll über die Dauer des Matches zu verteilen. Das bedeutet vermutlich 1-2 Tassen pro Stunde. Hoffentlich verträgt das Ihr Magen. Also sicherheitshalber vorher testen. Und falls ungewollte Nebenwirkungen eintreten, das Projekt sofort abbrechen. Ich übernehme selbstverständlich keine Verantwortung für irgendwelche gesundheitlichen Schäden.
Die meisten Menschen werden übrigens mit deutlich geringeren Dosierungen auskommen. Zudem hilft es, bereits eine Woche vor dem Wettkampf den Kaffeekonsum zu reduzieren bzw. komplett auszusetzen. Dadurch wird der Gewöhnungseffekt reduziert und das Koffein kann seine Wirkung im entscheidenden Moment besser entfalten. Koffein wirkt beim entwöhnten Spieler ca. 3 Stunden. Spätestens dann muss nachgetankt werden um ein Konzentrationstief zu vermeiden.
Interessanterweise scheint exzessiver Zuckerkonsum die Wirkung des Koffeins zu reduzieren. Darum würde ich von Energydrinks eher abraten. Zucker macht zwar kurzfristig wach, fällt dann aber der Insulinspiegel ab, schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus.
Ansonsten kann ich nur empfehlen zu Beginn eines Matches lieber etwas lockerer aufzuspielen um gegen Ende noch unverbrauchten Gehirnschmalz übrig zu haben. Heben Sie sich komplizierte Takepointberechnungen für 5-weg und später auf. Vorher spielen Sie im wesentlichen Moneygame. Im Training dürfen Sie nachdenken, im Wettkammpf müssen 99% der Züge aus dem Rückenmark kommen.
Und machen Sie sich keinen Kopf um die Züge des Gegners. An denen darf er sich abarbeiten. Sein Problem! Nutzen Sie die Zeit Ihren eigenen Gameplan zu überdenken oder um einfach mal die Gehirnlappen baumeln zu lassen.
Frohes Dopen!




























Hallo Thomas, mir war neu, daß unter den Backgammon Spielern viele Kaffeejunkies sind.
Grüße,
Nana